DruckenWeibliche Sexualhormone können das Wachstum von Brusttumorzellen fördern. Voraussetzung hierfür ist, dass die Tumorzellen Bindungsstellen für weibliche Hormone (sogenannte Hormonrezeptoren) besitzen.
Hormonrezeptorpositive Tumorzellen sind hormonempfindlich und können mit einer sogenannten antihormonellen Therapie behandelt werden. Das Ziel einer antihormonellen Behandlung ist, zu verhindern, dass Östrogene den Tumorzellen Wachstumsreize geben. Eine antihormonelle Behandlung kann adjuvant nach einer Operation eingesetzt werden, um einen Rückfall der Erkrankung zu verhindern. Bei fortgeschritteneren Stadien kann mit einer antihormonellen Behandlung erreicht werden, dass sich der Tumor oder Metastasen zurückbilden.
Bei Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs sollte, wenn möglich, aufgrund der besseren Verträglichkeit eine antihormonelle Behandlung einer Chemotherapie vorgezogen werden.
Die antihormonelle Therapie kann unterschiedliche
Behandlungsansätze haben:
- Antiöstrogene (z. B. Tamoxifen): Antiöstrogene blockieren die Hormonrezeptoren und verhindern, dass Östrogene auf den Tumor einwirken und sein Wachstum fördern können. Tamoxifen wird in Tablettenform eingenommen. Die Standarddosis beträgt 20 mg/d. Tamoxifen ist im Allgemeinen gut verträglich. Als Nebenwirkungen können Hitzewallungen, leichte Gewichtszunahme und trockene Schleimhäute auftreten. Tamoxifen erhöht das Risiko für eine Thrombose bzw. Lungenembolie geringfügig. Ganz selten kann es unter Einnahme von Tamoxifen zur Ausbildung bösartiger Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut kommen. Deshalb werden regelmäßige gynäkologische Kontrollen unter Einnahme von Tamoxifen empfohlen.
- Aromatase-Hemmstoffe (z. B. Anastrozol = Arimidex; Letrozol = Femara oder Exemestan = Aromasin): Durch Aromatase-Hemmstoffe wird verhindert, dass sich Östrogen aus seinen chemischen Vorstufen bildet. Mit Hilfe des Enzyms Aromatase entsteht in den Eierstöcken, in den Nebennieren, im Fettgewebe und Brustdrüsengewebe Östrogen. Durch Aromatase-Hemmstoffe wird dieses Enzym ausgeschaltet. Eine ausreichende Wirkung von Aromatasehemmern besteht nur für Frauen nach den Wechseljahren, deren Eierstöcke keine Östrogene mehr produzieren. Aromatasehemmer werden in Tablettenform eingenommen und sind gut verträglich. Im Gegensatz zu Tamoxifen besteht kein erhöhtes Risiko für Thromboembolien oder Gebärmutterkrebs. Allerdings besteht unter Einnahme dieser Substanzen ein erhöhtes Osteoporoserisiko. Regelmäßige Knochendichtemessungen und die Einnahme eines Kalzium- und Vitamin D-Präparates werden empfohlen.
Bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositiven Tumoren und erhöhtem Rückfallrisiko wird nach Operation und ggf. Chemotherapie die zweijährige Gabe von Tamoxifen gefolgt von einer dreijährigen Therapie mit einem Aromatasehemmer empfohlen. Bei Kontraindikationen für Tamoxifen ist eine 5-jährige Therapie mit Anastrozol vorgesehen. Insbesondere Frauen mit axillärem Lymphknotenbefall können nach 5-jähriger adjuvanter Tamoxifentherapie von einer Gabe von Letrozol über weitere 5 Jahre profitieren.
Therapieformen:
- GnRH-Analoga (z. B. Goserelin = Zoladex; Leuprorelin = Enantone): Diese Medikamente haben ähnliche Wirkung wie ein Hormon, das im Zwischenhirn gebildet wird und führen dazu, dass die Eierstöcke ihre Östrogenproduktion einstellen. GnRH-Analoga werden in der Behandlung von Frauen vor der Menopause eingesetzt. Die Substanzen werden meist einmal monatlich unter die Haut gespritzt und langsam aus dem Depot freigesetzt. Häufige Nebenwirkungen sind Hitzewallungen, Schleimhauttrockenheit und Nachlassen der sexuellen Lust.
- Gestagene (Medroxyprogesteronacetat = MPA): Auch Gestagene wirken über die Hormonrezeptoren der Krebszellen. Gestagene haben größere Nebenwirkungen als andere antihormonelle Therapien, so dass Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden müssen. Unter Einnahme von Gestagenen ist das Risiko des Entstehens einer Beinvenenthrombose erhöht. Es kann zu Gewichtszunahme und Leberwerterhöhungen kommen. Gestagene können das Allgemeinbefinden verbessern und den Appetit steigern, so dass der Einsatz im fortgeschrittenen Tumorstadium nützlich sein kann.
- Östrogenrezeptorantagonisten (Fulvestrant = Faslodex): Faslodex führt zu einer Abnahme der Östrogenrezeptoren. Das Medikament wird einmal pro Monat intramuskulär gespritzt. Häufige Nebenwirkungen sind Hitzewallungen und Reaktionen an der Injektionsstelle. Schwäche, Müdigkeit und Übelkeit können vorkommen. Faslodex wird zur Behandlung von postmenopausalen Frauen mit östrogenrezeptorpositivem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom nach vorangegangener Tamoxifentherapie eingesetzt.

